Bericht

Artikel aus der WingsWorld-Ausgabe 4/99

Der folgende Text stammt aus dem herpa-Magain "WingsWorld" (Ausgabe 4/99 - Seite 24 - 27), in dem mein Modell-Airport veröffentlicht und vorgestellt wurde. Dieses Magazin wird weltweit herausgegeben.



Der Airport-Architekt SCALE WORLD

Mit Kreativität, Know-how und einem langen Atem schuf Philipp Prskawetz eine außergewöhnliche Flughafen-Landschaft im Kleinformat.

Drei Jahre schon arbeitet Philipp Prskawetz aus Bietigheim bei Karlsruhe an seinem Flughafen-Diorama. So wie auch ein richtiger Airport niemals fertig ist, hat auch er seinen Modell-Flughafen immer wieder ergänzt, erweitert und modifiziert. Das Ergebnis dieses ausdauernden Engagements ist eine maßstabsgerechte Airport-Landschaft, die sich vor allem durch eine präzise und originelle Gestaltung vieler technischer Details und Einrichtungen auszeichnet. Im letzten Jahr konnte er auch ein größeres Publikum mit der Perfektion seiner Arbeit begeistern. Vier Wochen lang war sein Flughafen im Spielwarengeschäft Doering in Karlsruhe, einem der führenden Herpa-Händler in Deutschland, ausgestellt.

Orientiert hat sich Philipp bei der Gestaltung seines Dioramas an dem ihm nahegelegenen Flughafen Baden-Baden / Karlsruhe. Als er im August 1996 mit den Entwürfen für seinen Airport begann, war die Umstrukturierung der ehemaligen militärischen Airbase zur Business Base "Baden-Airport" noch eine jung beschlossene Sache. Mit zunehmenden Flugbewegungen befindet sich der Baden-Airpark derzeit vor umfassenden Modernisierungs- und Ausbaumaßnahmen. Beim Baubeginn seines Dioramas konnte Philipp natürlich nur ahnen, wie der Regionalflughafen im Original einmal aussehen wird. Mit der Gestaltung seines Dioramas ist Philipp dem Ausbau dieses Flughafens also quasi vorausgeeilt - eine Arbeit, die neben der Kreativität natürlich auch entsprechendes Know-how über die Funktionsweise eines Airports erfordert.

Die Idee zum Bau seines Modell-Flughafens reifte in Philipp schon zu Beginn seiner Sammelleidenschaft. Vor drei Jahren machte er in einem Shop auf dem Rhein/Main Flughafen in Frankfurt erstmals Bekanntschaft mit Herpa Wings. Mittlerweile ist seine Sammlung auf 84 Modelle angewachsen. Parallel zu der Erweiterung seiner Collection wuchs auch das Diorama, das er im Sommer 1996 am Computer entwarf. Mehrere Inspirationen zu seinem künftigen Airport-Modell visualisierte Philipp an seinem Rechner, bis er sich schließlich für die Umsetzung dieses Konzepts entschließen konnte.


Kreative Konstruktionen

Neben der kreativen Eingebung war dann vor allem handwerkliches Geschick beim Dioramen-Bau gefragt. In einem Baumarkt ließ sich Philipp eine 1,5 m x 0,5 m große Spanplatte zuschneiden, auf die er den am Computer entwickelten Grundriß mit der Einteilung der Start- und Landebahnen sowie der Flughafengebäude im Maßstab 1:500 übertrug. Mit asphaltfarbe gestaltete er auf dem Grundriß zunächst die Runway, die Taxiways und das Vorfeld. Anschließend umrandete er sie mit Nachtleuchtfarbe "Night Color" von Revell und arbeitete Details wie Leitlinien, Runway-Numerierungen und Begrenzungslinien heraus. Diese Details sowie alle weiteren nicht zu färbenden Flächen wurden sorgfältig mit Klebeband abgedeckt, bevor der ganze Grundriß anschließend mit Email-Lacken seine Farbe erhielt.

Ein Jahr später, im September 1997, widmete sich Philipp schließlich der Gestaltung der Gebäude und anderen Einrichtungen am Flughafen. Für die Konstruktion des Terminals verwendete er vor allem Sperr- und Balsaholz sowie Teile aus Aluminium. "Dieses Holz", so Philipp, "läßt sich besonders gut verarbeiten und ist deshalb für den Modellbau bestens geeignet." Aus den gleichen Materialien entstanden auch die beiden Hangars, deren Tore und Dächer Philipp mit kunstoffplatten in Form von Wellblech gestaltete, wie sie auch im Eisenbahnmodellbau verwendet werden.

Daß auch bei der Darstellung der Gebäude Einfallsreichtum gefragt ist, beweisen die simplen Bausubstanzen des Radarturms: Zahnstocher dienen für die Verstrebung, simple Bierdeckelstückchen bilden die obere Platte, auf der sich eine Radarkugel in Form einer Holzperle befindet. Die Radarachse wiederum besteht aus Aluminium. "Die reinste Fummelarbeit, die große Geduld erforderte", erinnert sich Philipp. Aber der Sinn fürs Detail mache ja gerade den Reiz am Dioramenbau aus, erläutert er seine Ausdauer. Kleinarbeiten, wie zum Beispiel die Bemalungen, Beschriftungen und Beschil-derungen der einzelnen Gebäude und Gate-Nummern erledigte er je nach Zeit und Laune immer mal so zwischendurch. Aus kleinen Kanthölzern und Bierdeckelteilen entstand schließlich im Oktober die Feuerwehrstation, aus Bierdeckelstückchen, Kunststoffplatten und einem Rundholzstück gestaltete Philipp die Pumpstation. Das Herpa Wings-Zubehör mit seinen Figuren und Fahrzeugen hauchte dem Airport schließlich "Leben" ein - "eine echte Augenweide", strahlt der Konstrukteur.


The Airport never sleeps

Die aufwendigsten, aber auch effektvollsten Arbeiten an seinem Airport lagen zu diesem Zeitpunkt aber noch vor ihm. Ab November 1997 wagte sich Philipp an die Beleuchtung und an die elektronische Anlage seines Airports - die Arbeit, die vor allem technisches Verständnis erforderte. Darauf verzichten wollte er aber auf keinen Fall. "Die elek-tronische Einrichtung gehört einfach zu einem Modell-Flughafen, wenn er so echt wie möglich aussehen soll", erklärt Philipp. Mit Leuchtdioden von einem Durchmesser von 0,2 cm und einer Spannung von jeweils 2 Volt installierte er zunächst die Beleuchtung der Runway. Um einen möglichen Spannungs-verlust an jeder weiteren Leuchtdiode (LED) zu vermeiden, wurden diese parallel geschaltet. Gleichzeitig entwickelte Philipp die Schaltpläne für die gesamte Beleuchtung des Dioramas. Modellampen gaben zunächst dem Vorfeld Licht und eine Micro-Leuchtdiode bildete die Höhenwarnleuchte des Towers. Ermutigt durch den ersten Erfolg dieser Installation kam Philipp schließlich noch auf die Idee, auch die zweite Radaranlage zu motorisieren. Mittels eines gedrosselten Elektromotors wird das Radar über eine Antriebswelle angetrieben. Doch nach diesem Bauabschnitt legte Philipp zunächst einmal eine kleine schöpferische Pause ein.


Früh übt sich ...

Lange ließ ihn das Dioramen-Fieber aber nicht in Ruhe. Im Dezember 1997 machte sich Philipp an den Bau des Cargo-Bereichs. Nach gleichem Muster wie die Hangars erstellte er zunächst die Cargohalle, die er anschließend wieder unter Verwendung von Kant- und Rundhölzern durch eine LKW-Abfertigung ergänzte. Im Juli letzten Jahres schließlich baute er das Turboprop-Flugfeld weiter aus, installierte auch für dieses eine Beleuchtung und erweiterte es durch einen Hubschrauberlandplatz. Nachdem er die ganze Anlage anschließend durch Modelleisenbahn-Bäumchen attraktiv begrünte, gestaltete er mit Hilfe einer Lauflichtsteuerung noch eine neue Runway-Befeuerungsanlage für CAT I - Anflüge und verbesserte die Randmarkierungen der Rollbahnen. "Hochflexible Kunststoff-Lichtwellenleiterkabel sind wie Glasfaserkabeln besonders für feine Lichtpunkte geeignet und geben somit bei der Beleuchtung des Dioramas einen besonders wirkungsvollen Effekt", erläutert Philipp sein aktuelles Dioramen-Finish.

Über 25 m dieser Kabel will Philipp zur Beleuchtung der Taxiways aber noch verlegen. Eine ziemlich aufwendige und präzisionsfordernde Arbeit, für die er bald nicht mehr so viel Zeit finden wird. Denn in Kürze wird der frischgebackene Abiturient seinen Wehrdienst antreten und anschließend vorwiegend an seiner beruflichen Karriere basteln. Pilot sei sein Traumberuf, und das nicht erst, seit er im letzten Jahr durch einen privaten Kontakt einen Flug von Frankfurt nach Larnaca schon mal im Cockpit eines Lufthansa-Airbus erleben durfte. Daß er sich durch seine intensive Beschäftigung mit dem Diorama in der Struktur eines Airports mittlerweile schon bestens auskennt, dürfte seiner künftigen Ausbildung nur zugute kommen. Vielleicht steuert er ja demnächst einmal selbst ein Flugzeug auf die Landebahn des Baden Airport - Söllingen.

Thomas Borgmann